Samstag, 20. August 2022

Schweden 2021 - Ein Rückblick - Teil 2 - Stockholm


 

Donnerstag, 26.08.2021


Ich hab geschlafen wie ein Baby. Die anderen wohl nicht, hab ich mir sagen lassen...

Gestern Abend wurde noch ein bissel Uno gespielt, sehr viel mehr passierte nicht mehr. Das Frühstück hier im Hotel war perfekt. Auch die Restaurant-Räumlichkeiten sind so wahnsinnig geschmackvoll eingerichtet, viele Wände sind mit raumhohen Bücherregalen bestückt, die Beleuchtung ist super durchdacht und "hyggelig", am Buffet brennen vereinzelt Kerzen. Und kein Mensch trägt Maske.






Leider hatten wir heute echt fürchterliches Wetter. Weil es gerade kurz nicht regnete, schlug ich vor, nach Gamla Stan (Altstadt) zu laufen. Denn U-Bahn fahren können wir auch, wenns nass ist. Tja, wir schafften es bis zur Saluhall (Markthalle), als der Himmel die Schleusen öffnete. Die Halle selbst ist tatsächlich ein Schmuckstück, die "Delikatessen", die darin verkauft werden hingegen so gar nicht unser Fall. Örks.









Tapfer stiefelten wir ca. 20 Minuten bis in die Altstadt. Dafür, dass wir in einem regenreichen Nordland sind, finde ich es sehr verwunderlich, dass die Gebäude so gar keine Vordächer oder Markisen haben.


Gamla Stan ist sehr hübsch. Kopfsteinpflaster, enge Gässlein, viele Cafés und mitunter urige Läden. Einen davon hattn wir auch schon im Voraus auf die to-do-Liste gesetzt: den SF Bookstore. Ein wahres Nerd-Paradies. Wie erwartet, wurden beide Kinder auch direkt fündig. Mika bekam ein Marvel-Zeichen-Buch, Jana die schwedische Ausgabe von Harry Potter Band 1.








Hier sieht man ganz gut, was ich meine: Keine Vordächer...









Es folgten noch zwei Plattenläden - halt stopp - erstmal nur einer, der andere kam später - und ein Souvenirgeschäft. Wir kauften Postkarten und die Briefmarken gleich dazu. 3 Euro kostet das internationale Porto. Huch! Alter Schwede...


Weiter gings mit der Metro (oder der Tunnelbanan) ins Zentrum. Hier war dann auch der zweite Plattenladen. Wärend Mr Wonderer und Jana sich darin vergnügten, suchten Mika und ich nach einem Starbucks, den wir aber nicht fanden. Dafür ein großes Einkaufszentrum. Wir mussten dringend aufs Klo und waren happy, dort ERSTMALS öffentliche zu finden. Gut, dass man den "Eintritt" mit EC-Karte bezahlen konnte. Ich bin ja immer der Meinung, dass die Blasenentleerung ein Menschenrecht ist und kostenfrei sein sollte. Außerhalb den USA bin ich damit aber wohl allein. Tja, was solls, ich spendierte uns das Pinkeln. Volle Gönnung, sind ja im Urlaub. 1,40 Euro pro Nase/Blase.


Zurück im Plattenladen konnte sich mein Mann nicht losreißen. Also nahmen wir Jana ins Schlepptau und bummelten durch den Flying Tiger und ein geschmackvolles Souvenirgeschäft.


Übrigens merke ich, dass ich unseren Besuch beim Königsschloss unterschlagen habe. Nun ist es dieses Mal - da manuell geschrieben - echt schwierig, etwas einzufügen... Kommt also noch, als Zugabe quasi.


Zurück zum Bummel: Ich will ja nicht darauf rumreiten, doch es ist und bleibt eine große Sache: das Wetter. Es wurde partout nicht besser, blieb grau, ca. 13 °C und regnete in allen möglichen Variationen: Sprühregen, Gießkannenregen, seitlicher Regen, ... Endlich fanden wir einen Starbucks: im Hauptbahnhof. Beide Tassen (Schweden und Stockholm) wechselten umgehend den Besitzer. 






Apropos Bahnhof: Es ist extrem auffällig, wie sauber, wohlriechend und extrem gepflegt sämtliche Bahnhöfe hier sind. Sehr beeindruckend.



Langsam meldeten sich unsere Mägen und es war auch die Luft raus. Wir entschieden uns für Pizza Hut. Drei von uns freuten sich über ein All-you-can-eat-Buffet, eine über eine veganisierte SF-Pizza. Satt wurden wir, doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass die Kids keine Motivation mehr hatten, mit uns durch den Regen zu rennen und Gebäude anzuschauen.






So beschlossen wir, nur noch ein Ziel anzuvisieren, um dann ins Hotel zurückzukehren: Das Hard Rock Café. Gesagt getan - unser 72-Stunden-Öffis-Ticket soll ja auch genutzt werden. Mr. Wonderer kaufte im Rock Shop einen Elch-Flaschenöffner, ich erweiterte meine Charms-Sammlung.









Zurück zur Bahn kamen wir an einem Coop vorbei, da mussten wir noch rein. Dann ging's aber wirklich zurück ins Hotel. Beide Kinder brachten wir - wunschgemäß - ins Fitness-Studio. Alibi-mäig blieben wir eine halbe Stunde dabei und tranken einen Kaffee. Dann gingen wir hoch aufs Zimmer, wo ich jetzt sitze und schreibe.


Jetzt aber zum Schloss: Da waren wir auch. Es sieht im Grunde nicht wirklich "schön" aus, eher arg eckig. Eine Wachablösung erlebten wir nicht mit, Wachen jedoch sahen wir viele. Was für ein öder Job! An den Gesichtern erkannte ich, dass ich jetzt wohl alt werde - mir schien, als seien das alles Kinder.














Soo, 18:25 Uhr, die Kids sind zurück. Mika hat schon angekündigt, das Zimmer heute nicht mehr zu verlassen. Schaun wir mal. 


Nachtrag: Göttergatte, Mika und ich gingen noch zu Coop und besorgten Veggie-Würstle, Baguette und einen Joghurt für Jana. Zurück im Hotel gab dann ein Bettdecken-Picknic und die ein oder andere Runde Uno.





Schweden 2021 - Ein Rückblick - Teil 1 - Anreise Stockholm




Dienstag, 24.08.2021

Sooo, ganz etwas Neues: Ein handschriftliches Reisetagebuch, denn 2021 gehen wir ohne Laptop auf die Reise. Es ist jetzt Dienstag, kurz nach 21:00 Uhr und wir haben gerade übers Handy das Check-in für unseren morgigen Lufthansa-Flug nach Stockholm erledigt. In Reihe 11 werden wir sitzen. Sehr gut, denn 11 ist tatsächlich meine Lieblingszahl. 

2021 ist jetzt schon der zweite Urlaub unter dem elenden Corona-Damokles Schwert. Noch nie haben wir so spät eine Reise gebucht. Bis vor kurzem dachten wir noch, dass wir nac Prag, Thüringen und Sachsen "roadtrippen", nachdem wir die Kreta-Pauschalreise absagten, noch bevor die Option zur Buchung wurde.

Da wir mit der Planung (inkl. Berlin und Tropical Islands) aber nie "buchenswert" zufrieden waren, schmissen wir kurzerhand nochmal alle Würfel in den Becher und bastelten uns einen Schweden-Urlaub. Fast alle Hotels sind stornierbar, das "gönnten" wir uns fürs gute Gefühl. Wannimmer ich jemandem von unseren Plänen erzählte, betonte ich, dass ich alles erst glaube, wenn ich im Flieger sitze. Mir geht das ganze politische Geschehen extremst an die Substanz und die ewigen Unsicherheiten rauben mir - im wahrsten Sinne des Wortes - den Schlaf.


Gestern hatte meine Mutter Geburtstag. Wir brachten ihr nicht nur Geschenke, sondern auch Cooper & Annie. Abends um 18:45 Uhr hatten wir unsere unsere Corona-Antigen-Test-Termine. Alle 4 negativ, die internationalen Bestätigungen brauchen wir für die Einreise morgen.

Wir packten unsere Koffer und schliefen dann mehr oder weniger gut letztmalig verteilt auf verschiedene Zimmer.

Meine Nacht war der Horror, Schlaflosigkeit, Alpträume - örks. Hoffen wir, dass sich das bald ändert.

Heute entschied dann, ganz traditionell, unsere Spülmaschine, wann es losgehen sollte. Ich glaube, es war so gegen 11:00/11:30 Uhr.

Das diesjährige Flughafenhotel heißt "Achat" und befindet sich in Langen. Es ist so "naja", aber günstig (123 Euro) und mit Shuttle.


Den Nachmittag über bummelten wir durch ein wirklich tolles Einkaufszentrum in Weiterstadt, dem Loop 5. Es erinnerte stark an amerikanische Malls, sogar einen Build-a-Bear-Laden gibts da. Mittagessen gabs im Food Court: Pizza, Burger, Pommes, indisches Curry und grünen Smoothie. Mr. Wonderer ergatterte Schallplatten-Schnäppchen, Mika eine Funko-Pop-Figur, Jana ein Buch und wir Mädel noch Regenmäntel im Decathlon. Und die werden ziemlich sicher gleich morgen zum Einsatz kommen, denn in Stockholm werden wir mit flüssiger Sonne begrüßt.










Obwohl es schon nach 18 Uhr war, fuhren wir noch in die Innenstadt von Darmstadt. Starbucks-Tassen gabs leider keine und alle Läden schlossen gerade. Drum deckten wir uns im Rewe des Luisencenters mit Abendessen ein und fuhren zurück ins Hotel. Dort vesperten wir, checkten die Flüge ein und kamen zur Ruhe.







Auch ich läute jetzt den Feierabend ein, trinke mein "Darmstädter Braustüb'l Pilsner" und hoffe auf eine erholsam(ere) Nacht. Die erste des Urlaubs 2021. Yeah. Los geht's, die Langstrumpfs unterwegs -> in Schweden.





Mittwoch, 25.08.2021


Wieder ist es 21:00 Uhr und ich versuche meine Eindrücke in Worten zu dokumentieren. Der gestrige Abend war noch lustig und gemütlich, Jana und ich lachten viel beim Selfie-Knipsen und saßen auch noch ein wenig auf dem Balkon. Lange ging das nicht - brrhr. Gegen 23 Uhr gingen die Lichter aus und wir schliefen.


Meine Nacht endete um 5:30 Uhr, doch das war nicht schlimm, ich hatte gut geschlafen. Gerade feiere ich mich selbst dafür, mein eigenes Kissen mitgenommen zu haben. Bis wir gingen, ließen wir den Fernseher laufen. Das ist echt keine Freude mehr, ich konnte es kaum erwarten, Deutschland zu verlassen. Pünktlich um 10:30 Uhr stiegen wir in das Taxis, das uns zum Flughafen brachte. Die Koffer waren wir schnell los und dann gingen wir noch etwas essen (McDonald's und Bäcker). Schräg: Im McDonald's dürfen wir nur essen, wenn wir geimpft, genesen oder getestet sind. Nach Schweden und ins Flugzeug konnten wir, ohne irgendjemandem etwas vorzeigen zu müssen.









Beim Boarding wurde es noch etwas chaotisch. Unsere Plätze waren nämlich an den Notausgängen und Jana dürfte da eigentlich nicht sitzen, da sie erst 13 ist. Wir waren aber nicht damit einverstanden, dass sie als Einzige zwischen Fremde muss. Zum Glück erklärte sich ein Pärchen bereit zu tauschen. So saßen meine Männer in Reihe 11, Jana und ich in Reihe 8. Zwischen 4 Babys/Kleinkindern. Aber es ja nur um 1:50 Std., ein Langstreckenflug wäre echt heftig gewesen. Die armen Eltern waren alle so angespannt.









Der Flug verlief gut und schon gleich nach der Landung beschlich uns ein Gefühl von Freiheit. Bye bye Maske, mein Gesicht darf jetzt zwei Wochen lang an die Luft. Mit dem Bus fuhren wir nach Märsta und von dort aus mit der Bahn nach Stockholm City.





Hier bewunderten wir die wahnsinng schönen U-Bahnstationen, bevor wir mit dem erstaunlich gepflegten Retro-Fahrzeug in die Nähe unseres Hotels fuhren. Wunder- wunderschön, wenn auch sehr nass und kalt ist es hier. Erinnert an New York, finde ich. Das Mornington Hotel ist ein Traum. Warm, schick, gemütlich, sauber, charmant, ... Man merkt es wohl, ich bin verliebt. <3 Hier müssen Fotos sprechen:


















Nach einer kurzen Begutachtung des Fitness-Studios stiefelten wir durch den Regen (ein Hoch auf die gestern gekauften Jacken) zu Vapiano, wo wir lecker speisten. Auf dem Rückweg gingen wir in einen Lidl für ein paar Knabbereien und Getränke. Jetzt sind wir im Zimmer (hach, es ist sooo schön), der TV läuft, Handys und Ipad auch und auch ich lege jetzt den Stift zur Seite.










Dienstag, 16. August 2022

Guguck! Ist da noch jemand?

 


Lang, lang ist es her. Und ob es wirklich weitergeht, kann ich gar nicht sagen. Kein großer Verlust, da draußen in den endlosen Weiten des www, doch irgendwie wurmt es mich, so sang- und klanglos "verschwunden" zu sein.

Gründe dafür gibt es zwei: einmal technische und einmal persönliche. Die technischen hoffe ich, durchs neue Laptop jetzt beheben zu können, denn es war echt extremst nervig, dass ich vor jeder Aktion alle Cookies löschen und mich überall neu einloggen musste.

Die persönlichen Gründe sind da schon schwerer zu erklären. Ich habe bei meinem letzten Posting, dem Jahresrückblick, gemerkt, dass ich nicht mehr in der Lage war, "offen" zu sein. Von Dankbarkeit schrieb ich, doch wirklich gefühlt hab ich die nicht. Die Corona-Krise traf mich seelisch mit voller Wucht. Doch darüber zu reden oder zu schreiben funktionierte nicht, denn angesichts des ganzen Elendes, das andere dadurch durchmachen mussten, fühlte es nicht richtig an.

Im Nachhinein und ganz oberflächlich beschrieben, möchte ich behaupten, dass ich irgendwo zwischen Depression und Burnout wandelte und körperlich wie auch seelisch an so mancher Klippe balancierte. Alles, was ich munter und politisch korrekt gebloggt hätte, wäre mir falsch erschienen.

Vielleicht tobe ich mich hier auch mal aus und versuche Worte für alle Gedanken und Erlebnisse der letzten beiden Jahre zu finden und mit gnadenloser Offenheit hinauszuposaunen, heute aber nicht.

Heute melde ich mich der Vollständigkeit halber, da ich plane, unseren letztjährigen Urlaub als Reisebericht online zu stellen, damit der Weg frei ist für - tadaaaa - den diesjährigen, den wir hoffentlich nächste Woche antreten.

Ganz faktenbasiert und ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier ein Update aus dem Hause Wonderer (das andernorts "Langstrumpfs" genannt wird):

Jana hat gerade die 9. Klasse beendet. Und das erfolgreich, was mich riesig freut, angesichts der Tatsache, dass die letzten Jahre turbulent waren und wir uns ganz bewusst in diesem Schuljahr aus allen herausgehalten haben, solange nicht nach unserer Hilfe gefragt wurde. Wir laufen quasi mit ausgestreckter Hand neben ihr her und sie rockt das echt super. Jetzt bewirbt sie sich für ein High School Jahr, eine sehr spannende Phase für uns alle. Sobald da etwas spruchreif wird, verdient das einen eigenen Blog-Eintrag. 

Mika ist jetzt seit einem Jahr in festen Händen und extrem erwachsen geworden. Seine Freundin lebt in Duisburg, also nicht gerade um die Ecke. Somit ist klar, wie die Ferien immer ablaufen - entweder ist er dort oder seine Freundin bei uns. Ein ganz tolles Mädchen hat er sich da geangelt, wir verstehen uns super und ich bin glücklich für ihn. 

Mein Mann arbeitet nach wie vor in der gleichen Firma als Abteilungsleiter. Ab und an streckt er die Fühler in die Staaten aus, doch ich mach mir da nur noch wenig Hoffnungen. Er ist gesund, toll und mein Fels in der Brandung.

Meine Schwiegermama hat gesundheitlich extrem abgebaut und lebt jetzt in einem Pflegeheim. Leider ist das über eine Stunde Fahrt entfernt und der Kommunikationsverlauf mit ihrem Mann recht frustrierend. Wir hoffen sehr, dass sich da etwas tut und sie in die Nähe verlegt wird, damit wir uns mehr mitkümmern können. 

Meine Oma ist im April verstorben. Darüber kann ich noch nicht schreiben, egal wie erwachsen das Gehirn ist, das Herz tut noch zu sehr weh.

Corona hatten wir alle Vier schon. Die Delta-Variante über Weihnachten und Silvester. 

Beruflich bin ich mittlerweile nicht mehr nur im Hauptjob und freiberuflich unterwegs, sondern habe vormittags einen weiteren Büro-Minijob. 

Soweit die Updates in Stichpunkten. 

Es geht uns allen gut, worüber ich echt froh bin. Wir sind nur ziemlich platt, durch die vergangenen Monate und hatten im Grunde seit letzten Sommer keinen Urlaub. Die freie Zeit im Winter ging ja fürs Kranksein drauf. Insofern sehnen wir die kommende Woche herbei - oh ja. :-)

Mika kommt am Freitag aus Duisburg zurück, ich arbeite noch bis Donnerstag, Mr Wonderer die Woche vollends und Jana würde am liebsten bereits die Koffer packen. Weil uns unsere Reisen ja bekanntlich so heilig sind, darf das Reisetagebuch nicht fehlen. 

Doch zuerst muss noch der Reisebericht 2021 nachgeholt werden. Den habe ich erstmalig handschriftlich erfasst, weil wir ohne Laptop unterwegs waren. 

Wer hat also Lust, ein Jahr in die Vergangenheit zu reisen und uns zu begleiten? 

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Goodbye 2020


Überall begegnen mit überaus negative Überschriften, wenn ich Jahresrückblicke für 2020 sehe. Möge das nächste Jahr besser werden, 2020 hätte nie stattfinden sollen, usw usf.


Ich kann es den Menschen kaum verübeln, denn in unserer aller Lebzeiten gab es eine solche Herausforderung wohl nie. Mein Mitgefühl gilt allen, die Angehörige oder Freunde verloren haben, ihre Jobs oder gar die Existenzgrundlage. Auch denen, die durch die Pandemie keine Möglichkeit hatten, ihre Lieben zu sehen, zu treffen oder beieinander zu sein.


Für mich ganz persönlich gesprochen jedoch, wäre es den vergangenen 365 Tagen gegenüber nicht fair, sie ausschließlich zu verteufeln. Und da dies hier mein Blog über mein Leben ist, wage ich es, auch gute Worte über 2020 zu verlieren.


Zuallererst: Wir leben. Alle! Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Auch Oma! Ja, ich musste heulen, als ich an ihrem 90. Geburtstag nicht zu ihr durfte. Aber hey - SIE WURDE 90! Und auch sonst ist kein Mensch in meinem Umfeld an Corona erkrankt oder verstorben. Oma selbst war im Krankenhaus und es war echt kritisch um sie gestanden (wegen anderer Probleme), doch ich „habe“ sie noch.


Weiterhin: Wir haben noch unsere Jobs. Alle! Mehr noch als das: Mein Mann wurde gleich zu Beginn des Jahres befördert. Eine große Herausforderung, als frischgebackener Abteilungsleiter, erstmals in Führungsposition das Schiff durch die Wellen von Kurzarbeit und Umsatzeinbrüchen zu schippern. Doch er hat das super hinbekommen. Auch ich habe meine Stelle behalten, eine wahnsinnig tolle Kollegin bekommen und trotz Kurzarbeit keine existenziellen Ängste haben müssen. Die meisten meiner Seminare wurden abgesagt, doch nicht alle. 


Die Kinder sind dieses Jahr zu „neuen Menschen“ geworden. Sie befanden sich quasi komplett im Umbau und es fühlt sich an, wie wenn jetzt vier Erwachsene in diesem Haus leben. Beide erfüllen mich mit Stolz und bei aller Wehmut, dass die kindliche Zeit vorbei ist, empfinde ich die neugewonnene Augenhöhe als Bereicherung.


Schulisch läuft alles - soweit man das umständehalber sagen kann - ganz gut. 


Wir waren wahnsinnig viel spazieren/wandern und haben viele schöne Ecken um uns herum entdeckt.


Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Pilzwanderung mitgemacht und so fette Beute ersammelt, dass wir noch Weihnachten davon zehren konnten. 


Reisen konnten wir nicht so viel und so weit, wie wir das sonst tun, doch immer noch wesentlich mehr, als wir dachten oder es anderen möglich war. So starteten wir noch vor der Krise mit unserem Kurzurlaub in Frankreich, besuchten später noch den Schwarzwald, Nürnberg, Ulm, Heidelberg, Frankfurt und die tolle Insel Lanzarote. Auch hier sind wir dankbar, keine monetären Verluste gehabt zu haben.


Zum Ende des Jahres komplettierten wir unsere Familie mit Cooper. Ein lange gehegter Traum, eine lange bejammerte Lücke - sie wurde jetzt geschlossen. 


Soweit so rosarot. 


In meinem privaten, persönlichen Mikrokosmos empfand ich dieses Jahr als Jahr des Aussortierens, des Überdenkens von Prioritäten und dem Abwerfen von Altlasten. Eine Freundin und zwei Kolleginnen trennten sich von ihren Partnern, die Freundin zog nun letzte Woche direkt ans andere Ende Deutschlands. 


Ich trennte mich von 12 kg Körpergewicht und befinde mich inmitten eines innerlichen Umkrempelns. Midlife-Crisis? Depressive Episode? Nein, das klingt zu negativ. Bildlich würde ich sagen, dass ich in luftleerem Vakuum schwebe und langsam aber sicher Ziele und Projekte brauche. Sinnfindung… Die Frage, was bleibt und bleiben darf, wenn plötzlich alles weg ist, was wichtig war. Schwierig, so etwas ins Internet zu stellen und doch wesentlich für 2020 und darum wichtig für meinen persönlichen Jahresrückblick.


Dieses Jahr war eines, in dem es schon als Gewinn zählt, nichts verloren zu haben. Und so sehr das Hirn das versteht, so fühlt es sich dennoch an wie damals - wenn man das Essen nicht mochte und doch aber dankbar dafür sein sollte, da andere Kinder hungern müssen.


2020 war ein Jahr, das einerseits wie im Flug verging, andererseits zäh wie Kaugummi von Nachrichten, Zahlen und Luftnot geprägt nie enden wollte. Für mich zumindest.


Schaun wir mal, was 2021 so bringt.