Montag, 4. Dezember 2017

November, DICH werden wir nicht vermissen!



Lieber November,

noch nicht ganz eine Woche bist du vorbei und doch muss ich mich von dir noch verabschieden. Die Kurzfassung: Wie gut, dass du weg bist! 

Aber von vorn.

Dein Start war noch ganz nett - mit Kinobesuch bei Bäh-Wetter. Der Film (Happy Family) war nicht so der Knaller, doch das kommt vor, gell?


Dann war wieder Schule. Ich berichtete bereits hier über den Wochenstart:  Ein Montagsbericht.
Der Bericht endete lang vor dem Tag - ich hatte dann Janas Sportzeugs noch gepackt und bin zur Schule gefahren.

Am Eingang klebte ein Zettel: "Schulfremde und Besucher melden sich nach Betreten des Gebäudes UMGEHEND im Sekretariat". Huch - okay! Dann tat ich das mal lieber, denn an Regeln sollte man sich ja halten.



Brav klopfte ich an und die Sekretärin ließ mich herein. Ich wedelte mit dem Sportbeutel und erklärte: "Ich habe das mit der Projektwoche vereiert und meinetwegen fehlt meiner Tochter das Sportzeugs. Darf ich ihr es kurz geben?"

Die Sekretärin meinte wohlwollend: "Ja, ist in Ordnung. Aber stellen Sie sich bitte nicht direkt vor die Klassenzimmertüre, sondern irgendwo seitlich hin. Sonst denken die Kinder, Sie könnten ein Amokläufer sein." 

HÄÄÄÄ? Okay, ich war gestresst - aber eigentlich würde ich mein Aussehen eher als harmlos bezeichnen. 

"Nää, nää, schauen sie nicht so. Letztens kam ein dunkelhaariger Vater. Den hab ich unten warten lassen - sie wissen, die Kinder könnten Angst bekommen."

Ich war echt baff. Ich meine - es handelt sich hier um eine Dorfschule, nicht unbedingt um einen sozialen Brennpunkt.

Ich versprach, dass ich mich den Kindern nur ganz behutsam nähern würde und die Sekretärin verabschiedete mich mit "Auf Wiedersehen, Frau Eier!".

Frau Eier? Hahaha, okay - das kam sicher, weil ich mich mit dem Satz über die "vereierten" Sportsachen vorgestellt hatte. Ich ließ sie in dem Glauben, dass dies mein Nachname ist. Musste ja behutsam sein, nä?

Auf alle Fälle war Jana unendlich dankbar, dass ich ihr das Zeugs gebracht hatte, und mein Muttergewissen war wieder rein.

Nun gab es noch etwas, dass du, lieber November für mich parat hattest: Meinen Ausbildungsbeginn. Der erste Block lief wirklich erfolgreich, durch meine Vorbildung bin ich weder über- noch unterfordert und erfreue mich an der Wiederbelebung meiner grauen Zellen. Nächstes Jahr darf ich mich "Ganzheitliche Ernährungsberaterin" nennen.

Egal wie alt - wenn man bei der Referatsthemenzuweisung DIESEN Zettel zieht muss man erst schlucken und dann lachen. Nundenn - Wat mut dat mut.



Ein schöner Nebeneffekt: Als ich nach Hause kam, war für mich das Essen gemacht. Das ist sooo selten, dass ich mich wie Bolle gefreut habe. 


Weniger erfreulich war der Zustand der Kinder. Beide waren total verstochen und Jana reagierte echt heftig darauf:




 Lieber November, du hattest auch einen Schulausflug parat. Ich hatte mich als Begleitung freiwillig gemeldet. Als absoluter Antibastler und Antikuchenverkäufer freue ich mich über solche Möglichkeiten, mich aktiv einzubringen. Ironie des Schicksals, dass der Ausflug zum Bauernhof ging (ich, die Veganerin bei den Milchkühen und so, ...). Aber hey - immer offen bleiben für alles und vor allen Dingen neugierig.



Die Landwirtsfamilie hatte sich wirklich ins Zeug gelegt. Die Kinder konnten wahnsinnig viel erleben, anfassen und lernen. 










Ich werde nicht näher auf meinen Standpunkt zur Viehhaltung eingehen, denn dafür ist dieser Blog nicht da. Ich habe jedoch erlebt, dass die Landwirte supernett, offen, herzlich und bemüht darum waren, ihre Traditionen zu vermitteln.

Als Dankeschön für die Begleitung wurde ich seitens der Lehrerin beschenkt. Ich guckte kurz verdutzt, als sie mir Schokolade und Oliven überreichte. Da erzählte sie, dass sie Jana vorher mal gesagt hatte, dass die Begleit-Eltern Merci-Schokolade bekommen würden. Jana hatte (so direkt, wie sie immer ist) trocken erklärt: "Mama isst keine Schokolade, die mag lieber Oliven." Und da ist die Lehrerin tatsächlich nochmal losgezogen, um Oliven zu besorgen. :-)


Und wenn wir schon beim Thema "Ernährung" sind. Jawoll, lieber November - ich habe dir tatsächlich 2 - 3 kg zu verdanken. Zum Einen, weil wir begonnen haben zu backen....






... und zum anderen, weil wir nach Stuttgart zum Messeherbst fuhren, wo es eine komplette Halle an Veggie-Mampf gab.

Bei kaltem, nassen Wetter machten wir uns samstags auf den Weg.



Der Messeherbst ist quasi ein Zusammenschluss mehrerer Themen. Und so war für jeden etwas dabei. Da wir durchgeforen und ausgehungert ankamen, traf es sich gut, dass wir mit der Veggie (und frei von) Messe beginnen konnten.




Das hier war echt süß:




Mama Wonderers Mittagessen (öhm, ja zumindest ein Teil davon):


Das hier ist Bolognese aus Sonnenblumenkernen. Wirklich lecker!




Die Mägen wurden voller - die Messehallen auch. Wir verließen die Schar der Ernährungsnerds (im liebevollsten Sinne - bin schließlich selbst einer) und enterten die Technik und Modellbauhallen. Auch hier wieder - viele Menschen, die sich für die gleiche Sache begeistern. Echt witzig, diese unterschiedlichen Menschentypen...







Wir bestaunten (mit Laien-Augen) die Modellbauwelten und die Begeisterung, mit der so mancher diese "lebt" und zogen dann weiter in Richtung Spielzeugmesse. Hier kamen wir menschenmassentechnisch an unsere Grenzen...



Wir selbst kämen nie auf die Idee, zu einer Messe zu fahren und uns dann stundenlang hinzusetzen um Spiele zu spielen. Echt faszinierend...


Ein schönes Projekt - - wenn man puzzeln denn mag. 



Hier standen wir eine Weile und schauten fasziniert zu. Mika möchte sich nun auch solche Becher zulegen. Es sieht wirklich toll aus, wenn da hoch- und tiefgestapelt wird. ;-)


Es gab auch eine Halle mit dem Thema "Food", die nicht vegan/vegetarisch war. Auch hier stiefelten wir durch, wenngleich die Füße auch schon glühten. Überall gab es kostenlos dieses Getränk hier:



Irgendwann hatten wir genug. Wir aßen nochmal in der Veggie-Halle bevor wir den Heimweg antraten.

Mika versuchte Eis auf Cashew-Basis (war echt lecker).


Jana und ich freuten uns, den veganen Inder wieder zu sehen, bei dem wir erst kürzlich gegessen hatten und mein Lieblingsehemann gönnte sich einen weiteren Hotdog (der nicht fotografiert wurde, da er seinem Vorgängermodell zu ähnlich sah).


Die Kids waren so platt, dass sie sich ne Kochshow anschauten - nur um sitzen zu können. 


Das hier war mein Bild des Tages - ein C64 - mein erster Computer. Hach....


Ja, mein lieber November - bis dahin warst du erlebnisreich bis stressig. Leider kam nun nur noch die Traurigkeit.


Lilith war unser zweiter Pflegehund. Schon wie bei Dora (die erste Hündin, die temporär zu unserem Rudel gehörte hatte) war uns von Anfang an klar, dass sie wieder gehen würde. Doch, dass es so dolle schlimm werden würde, hätten wir nicht gedacht. In den fast zwei Monaten ist tatsächlich so etwas wie Liebe entstanden.

In der stürmischen Nacht ihrer Ankunft hatte die Fellnase an mich rangekuschelt geschlafen - bei Physiotherapeutenbesuchen und Arztuntersuchungen hatte ich ihr ihr Pfötchen gehalten - hach, wir haben sie wirklich lieb gewonnen.

Und nun zog sie aus. In ein wunderbares neues Zuhause mit einem wahnsinng lieben Frauchen - alles super. Aber weit weg. 



Ganz besonders schlimm war, dass wir ihr ja nicht erklären konnten, was nun kommen würde, und dass wir sie nicht "aus dem Rudel warfen", sondern, dass nun endgültig alles gut wird. Noch vor drei Monaten saß das Hundemädchen mit ihren Babys in einer Tötungsstation - hatte sich nun so toll zum Familienhund gemausert und wurde freudestrahlend vom neuen Frauchen samt Enkelsohn abgeholt. 

Lebewohl, Grunzehund. Danke, dass wir ein Teil deines Lebens sein durften.


Sogar Mr. Wonderer hatte schwer zu knabbern am Abschied.


Du, November, wärst jetzt dann rum, haben wir gedacht. Und so waren wir schon bereit für den Dezember - in der Hoffnung auf etwas mehr Licht.

Mika verkaufte mit seiner Klasse Waffeln auf einer Adventsveranstaltung - dort kauften wir auch unseren "Kranz".


Sehr schräg fanden wir die Art der Ausführung. Jeder sollte 10 (!) Euro für Waffelteig mitbringen und dieser wurde dann von einer Bäckerei hergestellt. Hmmh. Okay. Die Argumentation war Zeit-, Aufwand-Ersparnis und "homogener" Teig. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich etwas irritert darüber war, dass zweistellige Beträge so selbstverständlich eingefordert werden und irgendwie fehlt mir hier auch die "Romantik elterlichen Engagements". Nundenn, wir spendeten, Mika verkaufte und lernte (DANACH) zuhause, Waffelteig selbst herzustellen und die Familie zu verköstigen.



Neuerdings hat der Sohnemann auch Snapchat. Ich bin da raus - ich kann mit der App nix anfangen. Bin wohl doch langsam zu alt. Wobei man mir die Falten dank dieser technischen Neuheit nicht ansieht: 



 Lilith fehlte uns - und vor allen Dingen mir - ganz fürchterlich. Das einzig Positive: Annie konnte jetzt wieder mit mir mit zur Arbeit. Und überhaupt wurde mein Hundemädel nun mit viel zu viel Liebe überschüttet. Schnüff...


Annie back @ work:


Vielleicht ist es Einbildung - aber abwegig ist es nicht: Auch Annie scheint Lilith zu vermissen.



Nun warst du, November, wirklich in den letzten Zügen und hast uns dann noch einmal so richtig das Herz gebrochen. Wir verloren unseren Adoptiv-(Ur-)Opa Walter.

Er war seit 17 Jahren der Lebensgefährte meiner Oma und einer der liebesten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Gänzlich unblutsverwandt war er ein nicht wegzudenkender Teil unserer Familie. Auf Instagram schrieb ich es, wie ich es empfinde:

Familie ist ein Gefühl. Opa Walter gab es uns.

Er war bis ins hohe Alter extremst fit. Trotz Diabetes und Amputationen. Noch bis vor einem Jahr radelte er zum Wochenmarkt, legte immer viel Wert darauf, was er wo besorgte, wen er unterstützte, arbeitete jahrzehntelang für den Nabu, peppelte Vöglein auf, las meinen Kindern Märchen vor, brachte mir zum Geburtstag Wiesenblumen.... 

Erst, als er vor ca. einem Jahr ins Pflegeheim kam, begann er total aufzugeben und abzubauen. Zum Ende hin wollte er nicht mehr. Und nun ist er gegangen. Und doch immer bei uns. Ich bin ihm unendlich dankbar für die Liebe, die er in unser Leben gebracht hat.


November - ich fand dich doof. Doof und grausam. 
Denn du hast uns traurig gemacht.



Kommentare:

  1. Oje, dann wünsche ich Dir zum Ausgleich einen ruhigen Dezember!!!

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  2. Also euer November hatte es in sich! Ihr müsst euch auf eure "Hochs" aus diesem Monat konzentrieren und versucht die "Tiefs" langsam verblassen zu lassen.

    Also ich bewundere euch, dass ihr einen Hund in Pflege aufnehmt und ihr wisst es natürlich vorher, dass man den wieder abgeben muss. Und man baut trotz allem so schnell eine Bindung zu ihm auf und dann fällt der Abschied schwer. Wenn ich überlege, wie schnell wir unseren Pablo in unsere Herzen gefasst hatten... Ihr macht aber auf JEDEN Fall eine super Tat. Ihr helft dem Hund sehr, dass er erstmal eine (meist) schwere Zeit überbrückt, bis er die ideale Familie gefunden hat.

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    1. Ja, da hast du recht. Es kam halt zum Ende hin so geballt zu Tiefs, da kommt man schon ins Straucheln. Und ein bissel Jammern tut dann auch ganz gut.

      Danke für deine Bewunderung wegen der Pflegehunde. ;-) Ich habe lange auch gesagt, dass wir sowas nicht machen können - eben weil das Hergeben so schwer sein wird. Doch dann kam die Nachricht, dass eines der Tierheime die Hundezahl bis Ende des Jahres auf die Anzahl X reduzieren muss und alle, die dann noch zuviel sind, eingeschläfert werden. Da sagten wir uns - wenn nicht jetzt, wann dann... Unser erster Pflegehund war dann auch extra einer, der gar nicht unserem "Geschmack" entspricht - extra deshalb, damit wir uns nicht zu sehr verlieben. Die Dora war groß und eher zottelig (wir mögen klein und glatt). Tja, und danach wollten wir doch lieber mal einen kleineren, denn die Zeit mit Dora hatte gezeigt, dass unser Haus enger ist, als bisher angenommen, hehe... Lilith kuschelte sich dann auch gleich mit Karacho in unser Herz. Schnüff. Wir könnten das mit den Pflegehunden nie machen, wenn wir nicht unsere eigene Fellnase hätten. An die klammern wir uns dann nämlich. Aber nun legen wir erst mal eine Pflegehundpause ein.

      Euer Pablo ist aber auch ein Zuckerschock-Hundchen. Mika träumt ja davon, irgendwann mal einen Chihuahua zu haben. Jana hingegen fände einen Mops besser.

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